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Tagebaurestloch, Edderitz

Lagerstätten

Wenn ein Loch zugestopft wird, wo bleibt es dann? Drückt es sich seitwärts in die Materie? Oder läuft es zu einem anderen Loch, um ihm sein Leid zu klagen? Wo bleibt das zugestopfte Loch? Niemand weiß das - unser Wissen hat hier eines.
Kurt Tucholsky


Nun, unser Wissen ist hier völlig lochlos. Das Tagebaurestloch in Edderitz hat sich im Laufe der Zeit mit Wasser angefüllt. Es ist nicht mehr Loch – es ist See. Und dieser See hat – wie so manches Loch – ein Problem mit seinem Rand. Seine Böschung bröckelt, was nicht nur unschön ist, sondern obendrein sehr gefährlich.

Bestandsaufnahme
Die Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sind seit 1990 für alle Altbestände aus dem Braunkohlenbergbau der neuen Bundesländer verantwortlich. Es ist ihre Aufgabe, diese Gebiete zu sanieren. Das Tagebaurestloch bei Edderitz im Landkreis Köthen zwischen Magdeburg und Halle ist ein besonderer Fall. Bereits 1953 beendete man hier den Braunkohlenabbau, die Wasserhaltung wurde eingestellt. Allmählich entstand ein See mit einer Größe von ca. 45 Hektar. Am Ufer siedelt ein Schwalbenkolonie. Bis 1991 entnahm die Landwirtschaft dem entstandenen See Wasser, um die Felder zu bewässern. Als man 1992 damit aufhörte, stieg in der Folge der Wasserspiegel an.

Gefährdung
Die Wellen schlagen ungehindert an die Böschung. Erhebliche Schäden sind die Folge: Rutschungen mit Abrisskanten von bis zu sechs Metern treten auf. Das gesamte Böschungssystem ist instabil. Es entspricht nicht mehr den Sicherheitsvorschriften. Die Landstrasse Edderitz-Pieten im Osten und die Ortschaft Edderitz im Norden sind gefährdet. Die in den See hineinragende ehemalige Kippe aus Abraum der Bergbauarbeiten ist akut gefährlich. Schon eine Erschütterung durch schwere Land- oder Forstwirtschaftsmaschinen kann eine große Rutschung auslösen, die eine Flutwelle zur Folge hätte.

Sanierungsplanung
Vor diesem Hintergrund beauftragte uns die LMBV mit der Planung sämtlicher Sanierungsarbeiten. Wir fertigten hydrologische Gutachten, Standsicherheits-, Wind- und Wellengutachten, Altlasten- und Baugrundgutachten an. Daneben nahmen wir auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren wird eingeleitet. Die Entwicklung des Wasserstandes ist ein entscheidender Faktor für die Stabilität des Uferbereiches. Das von uns erstellte hydrologische Modell sagt Schwankungen von bis zu 4,3 Metern voraus. Aus diesen Daten ermitteln wir die erforderliche Neigung der Böschung. An der Seeseite muss unbedingt ein Wellenverbau errichtet werden. Nur so kann die Uferböschung gesichert werden. Welche Auswirkungen haben die erforderlichen Maßnahmen für Pflanzen, Tiere, Wasser, Boden und Menschen? Wir spielen unterschiedliche Szenarien durch und bewerten sie. Während unserer Untersuchungen entdecken wir im Uferbereich eine ehemalige Hausmülldeponie. Aschen und organische Stoffe können dort nicht bleiben: Die Deponie muss ausgeräumt und mit geeignetem Material neu verfüllt werden. Nicht das erste Mal, dass wir auf eine veränderte Situation reagieren müssen.

Ausführung
Die Komplexität des Projektes erfordert es, dass HPC-Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenarbeiten. Nur so kann es gelingen, ein Naturgebiet zu gestalten, welches heutigen Standsicherheitserfordernissen gerecht wird. Es wird Uferschwalben und anderen Tieren einen Lebensraum bieten. Und die Menschen werden in einem einzigartigen Freizeit- und Erholungsgebiet baden, wandern, angeln und tauchen können.

Am 27.10.2000 stach der Spaten zum ersten Mal. Adieu Loch, wo immer du auch geblieben sein magst...


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