Einleitung
Im Norden von Kasachstan wird in einer beispiellosen Bauaktion im Prinzip eine vollständig neue Hauptstadt, Astana, errichtet. Eine futuristische Metropole, die viel Beton verbraucht, ist im Entstehen. Die dafür benötigten gigantischen Mengen an Zement werden vor allem importiert; aus der Türkei, aus China, aus Russland. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, also seit mehr als 15 Jahren ist in den ehemaligen sowjetischen Republiken kein neues Zementwerk mehr gebaut worden. Dies sollte sich ändern. Eine kasachische Investorengruppe hat dazu ein Projekt entwickelt und die für den Rohstoff erforderliche Kalksteinlagerstätte erworben.
Aufgabe
Für die Finanzierung des Projektes mit einer Investition von mehreren 100 Millionen Euro ist ein Punkt von fundamentaler Bedeutung: Sind die Rohstoffe für den Betrieb eines neuen Zementwerkes auch in ausreichender Menge und Qualität vorhanden? HPC wurde beauftragt, die Vorräte der vorgesehenen Lagerstätte in Kokshetau, Kasachstan und deren Wert nach internationalen Maßstäben zu bewerten.
Die Kapazitäten des Zementwerkes waren auf eine Produktion von 5.500 t Klinker pro Tag ausgerichtet. Zur Einschätzung der Lagerstätte lagen Erkundungsberichte aus sowjetischen Zeiten vor, der jüngste von 1955. Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Lagerstätte mit zahlreichen Bohrungen intensiv erkundet worden. Die Kalksteinlagerstätte nimmt eine Fläche von ca. 2 km² ein.
Ausführung
Gemeinsam mit FLSmidth, dem Weltmarktführer für den Bau von Zementwerken, wurden aktuelle Brennversuche zur Klinkerherstellung durchgeführt, die ausgezeichnete Ergebnisse für die Herstellung von qualitativ hochwertigem Portland-Zement ergeben haben. Die Experten der HPC haben im Rahmen einer Ortsbegehung die Lagerstätte überprüft, die lokale Infrastruktur aufgenommen, stichpunktartige Proben des Kalk- und Tonsteines entnommen und einer weiteren Analyse unterzogen.
Die Neuberechnung des Lagerstättenvolumes ergab 180 Mio. t Kalkstein und 17 Mio. t Tonstein. Dieses Rohmaterial reicht bei dem angestrebten Materialmix für 86 Jahre (Kalkstein) bzw. 42 Jahre (Tonstein) Zementherstellung und ist damit als ausreichend für die geplante Betriebszeit einzuschätzen. Da auch die vorhandene Infrastruktur alle Voraussetzungen für die geplante Industrieansiedlung aufwies, schienen zunächst alle Randbedingungen für das geplante Projekt positiv zu sein. Sehr positiv sogar, wenn nicht im Verlaufe der Bearbeitung alte Untersuchungsergebnisse aus kasachischen Archiven ermittelt wurden, die Ergebnisse über eine erhöhte Radioaktivität von einzelnen Vorratsblöcken aufwiesen. Es gebot die Sorgfaltspflicht bei der Arbeit von HPC, dies zu beachten. Bei einer Selektion dieser Blöcke wäre der Vorrat erheblich geschrumpft und aus einer Ressource noch lange keine wirtschaftlich nutzbare Reserve geworden. Das gesamte Projekt wäre als wirtschaftlich nicht machbar beendet gewesen. Nach der Recherche der aktualisierten Gesetzgebung und mit weiteren Untersuchungen konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. Die Radioaktivität der Nutzgesteine liegt unterhalb der zulässigen Höchstwerte, damit bestehen keine Beschränkungen für deren Nutzung.
Mit der due diligence und dem Wertgutachten der HPC konnte mit der notwendigen Sicherheit die Wirtschaftlichkeit des Projektes für die Investoren nachgewiesen werden, was zur Freigabe der Kredite für den Bau des Zementwerkes führte.
Im Juni 2008 befindet sich das Zementwerk im Bau und wird seine Produktion voraussichtlich Ende 2008 aufnehmen.