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Hadamar

Gebäudesanierung

„Wat is´ne Dampfmaschin´? Da stelle ma uns mal janz dumm, und sagen, en Dampfmaschin´ iss ne große, runde, schwarze Raum...“
Die Feuerzangenbowle


Was sind eigentlich polychlorierte Biphenyle?
Stellen wir uns mal ganz dumm und sagen, PCBs sind erstens gut, weil sie eine geringe Wärmeleitfähigkeit, geringe Entflammbarkeit sowie gute Alterungs- und Temperaturbeständigkeit aufweisen. Damit waren sie in vielen Bereichen einsetzbar, so zum Beispiel als Flammschutz- und Imprägniermittel, als Schmiermittel, als Weichmacher in Kleb- und Kunststoffen und als Zusatz in Kitten, Spachtel- und Dichtungsmassen. Zweitens sind PCBs schlecht. Warum das? PCBs sind leider giftig. Jeden Tag nehmen wir PCB über Nahrung, Atemwege und die Haut auf. Im Körperfett reichern wir über die Jahre hinweg immer mehr PCB an. Zwar gilt die akute Giftigkeit als vergleichsweise gering. Dennoch sind die Hinweise auf seine krebsfördernden Eigenschaften eindeutig. Mittlerweile ist der Einsatz dieses Stoffes verboten. Die Produktion wurde eingestellt.

Wie kommt das PCB in die Schule?
Auch wenn kein neues PCB mehr in den Verkehr kommt, so wurde es doch bis in die 70er Jahre hinein intensiv Baustoffen zugesetzt. Gebäude, in denen die zulässigen Grenzwerte für die Raumluftbelastung überschritten werden, müssen saniert werden. So auch die Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar, in der bei verschiedenen Messreihen erhöhte PCB-Werte zwischen 100 und 900 ng/m³ festgestellt wurden. Bevor man sich zu einer Sanierung entschließen kann, muss zunächst ermittelt werden, wie das PCB in die Luft gelangt, kurz: woher es kommt. HPC erhält den Auftrag, in der Schule eine Quellensuche durchzuführen, d.h. es werden Proben von Materialien bzw. Baustoffen entnommen und zur Analyse auf ihren PCB-Gehalt ins Labor gegeben. Diese Quellensuche basiert größtenteils auf Erfahrungswerten und manchmal auch auf der „richtigen Spürnase“. Nach der Quellensuche stehen die PCB-haltigen Primär- und Sekundärquellen fest. Dabei handelte es sich um die alten Fugenmassen an den Fenstern, die Fugenmassen an den Innenstützen und die Fassadenfugen als Primärquellen sowie um den Bodenbelag als Sekundärquelle.

Mustersanierung
Was wir jetzt brauchen, ist ein Sanierungskonzept mit dem auf möglichst kostengünstige Weise die Raumluftwerte unter 300 ng/m³ Raumluft sinken, der bestehende Schulbetrieb aber möglichst reibungslos weiterlaufen kann. HPC bedient sich einer Mustersanierung, bei der die Auswirkungen verschiedener Sanierungsmaßnahmen und der stufenweise Ausbau verschiedener Materialien bzw. Baustoffe in einem Klassenzimmer getestet werden. Anschließend können wir unsere Erkenntnisse auf die gesamte Schule übertragen. Wir beginnen mit der Mustersanierung, indem wir zunächst die PCB-haltigen Fassadenfugen und die Fugenmassen um die Fenster entfernen. Hierzu müssen wir die Fenster ausbauen. Da die Fensterverankerungen durchgerostet sind, erneuern wir die Fenster gleich mit. Das Resultat ist eine Schadstoffreduzierung der Raumluft, leider noch nicht unter den gesetzlichen Grenzwert von 300 ng/m³. Auch die Reinigung und anschließende Lüftung der Räume bringen uns nicht entscheidend weiter. Also nehmen wir uns die Sekundärquelle Fußboden vor. Der PCB-haltige Staub aus der Raumluft setzt sich in der oberen Versiegelungsschicht des Kunststoffbelages fest. Von dort wird PCB wieder an die Luft abgegeben. Da der Fußboden im Vergleich zum Raumvolumen eine große Oberfläche aufweißt, hat er ein nicht zu vernachlässigenden Potenzial. Wir entfernen die oberste Versiegelungsschicht und versiegeln den Boden neu. Geschafft: Der Raumluftwert sinkt unter 300 ng/m³.

Der Landkreis gibt das Sanierungskonzept in Auftrag
Mit den Ergebnissen der Mustersanierung ist auch der Landkreis zufrieden und bittet um die Erstellung eines Sanierungskonzeptes für die gesamte Schule. Hierbei soll aber der bestehende Schulbetrieb nicht gestört werden. Die Schule bzw. die Schüler können nicht ausgelagert werden, da kein Gebäude in erreichbarer Nähe vorhanden ist. Als Ausweichmöglichkeit für einzelne Klassen ist lediglich - auch aus Platzgründen - die Aufstellung von 10 -15 Containern denkbar. Der große Gebäudekomplex bietet ca. 2500 Schülern Platz und besteht aus vier zusammenhängenden Bauteilen, die in der Grundfläche zueinander versetzt stehen. Innerhalb eines Monats legt HPC das Sanierungskonzept für die komplette Schule vor. In diesem Konzept ist der Ausbau aller Fenster sow ie die für diese Arbeiten notwendigen Vorarbeiten, die Entwachsung des Bodenbelages und die komplette Reinigung aller Räumlichkeiten mit Inventar vorgesehen. Dafür veranschlagen wir insgesamt eine Sanierungszeit von 2 Jahren, während denen jedes Bauteil eingerüstet und etagenweise von oben nach unten saniert werden soll. Jede Etage muss für sich abgeschottet und saniert werden. Die dort befindlichen Klassen müssen jeweils in die Container umziehen. Hierfür erarbeiten wir zusätzlich einen Zeitplan mit der Koordination aller notwendigen Gewerke. Schwierig ist vor allem die logistische Organisation: In dem verschachtelten Grundriss der vier Gebäudeteile werden getrennte Zugangswege für Lehrer und Schüler benötigt, außerdem müssen alle notwendigen Flucht- und Rettungswege frei bleiben. Die Fachklassenräume können aufgrund ihrer besonderen Ausstattung nicht ausgelagert und darum nur während der Sommerferien saniert werden.

Abschnittsweise Sanierung
Dieses Konzept legen wir dem Landkreis vor. Nach reiflicher Überlegung beschließt er, dass eine Komplettsanierung in einem Stück bei dieser großen Schule aufgrund der angespannten Haushaltslage nicht finanziert werden kann. Die Schule muss abschnittsweise saniert werden. Mit dem ersten Teilbereich beginnen wir in den Sommerferien 2003. In den sechs Wochen der Sommerferien 2003 saniert HPC mit fachtechnischer Unterstützung - in Form von Ausschreibungsunterlagen und Bauleitung - ein komplettes Bauteil der Fürst-Johann-Ludwig-Schule.

 
PCB-belasteter Fußbodenbelag
Abdichtung Klassenraum
Einrüstung Fassade

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